Bürgerschaft Bremen
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Bis zum Jahr 2038 soll Bremen klimaneutral sein – wie das funktionieren könnte, steht im Abschlussbericht der Enquetekommission „Klimaschutzstrategie für das Land Bremen“. Im Bereich Wirtschaft liegt der Fokus auf der effizienteren Nutzung von Energie und der Einsatz erneuerbarer Energien im verarbeitenden Gewerbe sowie der Technologiewechsel in der Stahlproduktion auf Basis von Wasserstoff. Aber auch kleine und mittlere Unternehmen sind gefragt.

Mercedes, Airbus, OHB und viele mehr - da Bremen ein wichtiger Standort für den Luft- und Kraftfahrzeugbau ist, soll laut Enquete-Bericht hier ein Fokus auf klimaneutralen Antriebssystemen liegen. Auf der Straße und in der Luft sollen so die CO₂-Emissionen sinken während die Unternehmen ihre Positionen auf dem Markt behaupten und ausbauen.

Auch die für das Land Bremen wichtige Nahrungs- und Genussmittelproduktion, wie Kaffeeröstereien und Brauereiwesen, soll zur Klimaneutralität betragen. Hier sieht der Enquete-Bericht das größte Potenzial in der Elektrifizierung der Produktion, dem Einsatz klimafreundlicherer Kühlmittel und der Nutzung unvermeidbarer Lebensmittelreste unter anderem für die Energieerzeugung in lokalen Biogasanlagen.

Klimaschutz als Chance

Ein Bereich, der nicht nur wegen des Klimas sondern auch wegen der unsicheren Versorgungslage mit Erdgas dringend angegangen werden soll, ist die Wärmeversorgung. So werden derzeit noch große Mengen Abwärme aus industriellen Prozessen noch ungenutzt in die Umwelt geleitet, Energie also aus dem Schornstein gepustet. Künftig sollen diese Wärmequellen stärker genutzt und beispielsweise lokale Fernwärmenetze speisen.

Im Wasserstoff sieht die Enquetekommission nicht nur einen Grundstein für die Klimaneutralität, sondern auch eine große Chance für die Wirtschaft, indem Bremen zum Logistikstandort für den klimafreundlichen Energieträger wird – Stichwort „Wasserstoff-Hanse“. Neben der Produktion des Gases durch Elektrolyseure geht es dabei auch um den Anschluss an Pipelines sowie die Rolle der Häfen beim Bezug von Wasserstoff per Schiff sowie Netzanbindung der Offshore-Windkraftfelder in der Nordsee mit einem Anlandepunkt in Bremen.

Synergieeffekte nutzen, Emissionen senken

Für Gewerbegebiete sieht der Bericht eine Dekarbonisierung des Verkehrs, die Nutzung von Dachflächen für PV-Anlagen und eine effiziente Nutzung der Areale vor, um Bodenversiegelung weitgehend zu vermeiden. Tun sich Unternehmen zusammen, können sich Synergieeffekte für den Klimaschutz ergeben. Diese gilt es laut Enquete-Bericht nicht nur in Gewebegebieten konsequent zu nutzen.


Zur Enquetekommission gehörten 18 Mitglieder, jeweils neun Abgeordnete und neun externe Sachverständige. Die Zusammensetzung der Enquetekommission spiegelte das Mehrheitsverhältnis der Bürgerschaft wider und die fünf Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft konnten gemäß ihrer Fraktionsstärke eine Anzahl an sachverständigen Mitgliedern ernennen.


Ein Beispiel für solche Synergieeffekte ist ein Projekt im Hohentorshafen, wo die Unternehmen Sonnentracht und Henry Lamotte Food im Rahmen einer „Kooperation CO₂“ von energiekonsens ausloten, wie sie im Bereich Mobilität zusammenarbeiten können, um so im Sinne des Enquete-Berichts den Verkehr zu reduzieren und das Klima zu schonen. Mitfahrgelegenheiten, die Bündelung von Lieferverkehren und die gemeinsame Nutzung von Ladeinfrastruktur sind hier Möglichkeiten für sinkende Emissionen und freiere Straßen.

Mit Effizienztischen Klimaschutz voranbringen

In der Klimaneutralität sieht der Bericht ein potenzielles Markenzeichen für bremische Produkte: So könne ein „Bremen Label” ein Anreiz für CO₂-arme Erzeugnisse und Verfahren sowie als „Qualitätsausweis bei der Vermarktung“ dienen. Dabei sollen sowohl die Scope-1- wie auch Scope-2- und jeweils wesentliche Scope-3-Emissionen berücksichtigt werden.

Als ein Instrument, das Unternehmen dabei unterstützen soll, so effizient wie möglich zu gestalten, sind laut Bericht der Enquetekommission Effizienztische. Bei diesem Netzwerkformat treffen sich in der Regel rund zehn Unternehmen in einem Zeitraum von bis zu drei Jahren regelmäßig und tauschen sich zu Energieeffizienzthemen aus. Dabei werden sie von energietechnischen Beratern begleitet und setzen sich ein gemeinsames Einsparziel.

Unternehmen teilen im Netzwerk Informationen und Erfahrungen

Im Rahmen eines vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung geförderten Projekts hat energiekonsens von 2019 bis 2023 vier Effizienztische für verschiedene Branchen durchgeführt, an denen auch große Unternehmen wie Anheuser-Busch InBev, Airbus und Atlas Elektronik teilgenommen haben. Auch kommunale Unternehmen, die laut Enquete-Bericht eine Vorbildfunktion einnehmen sollen, waren dabei. Die Bedeutung des Netzwerkeffekts für die Klimaschutzbemühungen der Betriebe machte Hartmut Sturhann von Anheuser-Busch InBev deutlich: „Durch die Vernetzung untereinander können wir viel erreichen und Effekte generieren, die momentan noch gar nicht absehbar sind.“

„Mit der Enquete-Kommission zeigt Bremen, dass wir Klimaschutz ernste meinen“, so Bernd Langer von energiekonsens. „Wir merken deutlich, dass das Thema auch in den Unternehmen mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert hat, also noch vor einigen Jahren. Die Betriebe haben erkannt, dass Klimaschutz auch für ihre Zukunftsfähigkeit ein entscheidendes Element ist.“

Über die Effizienztische und die Kooperation CO₂

Die Effizienztische und Kooperation CO₂ sind Bausteine des Projekts „Bremer Unternehmen sparen CO₂“, das Bremer und Bremerhavener Unternehmen dabei unterstützt, Energie und CO₂ einzusparen und somit den Klimaschutz im Land Bremen voranzutreiben. Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), Investition in Bremens Zukunft. Projektträger ist energiekonsens, die gemeinnützige Klimaschutzagentur für Bremen und Bremerhaven. Kooperationspartner sind die Wirtschaftsföderung Bremen (WFB) und die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS).