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Forschungsvorhaben "Erdwärme vernetzt"

Das abgeschlossene Forschungsprojekt "Erdwärme vernetzt – Urbane Anergienetze als Instrument der Wärmewende" hat untersucht, wie Anergienetze eine klimaneutrale Wärmeversorgung in dicht bebauten Stadtgebieten ermöglichen können, die weder an Fernwärmenetze angeschlossen werden noch für Wärmepumpen geeignet sind. Ziel war es, zu untersuchen, ob kalte Nahwärmenetze eine Möglichkeit sind, um eine klimafreundliche Wärmeversorgung sicherzustellen.

Im Mittelpunkt stand die Nutzung von Erdwärme durch gemeinschaftliche Bohrungen im öffentlichen Raum, eine Technologie, die bisher vor allem in Neubaugebieten zum Einsatz kommt. Das Projekt untersuchte die Potenziale, diese Technologie auf bestehende Quartiere zu übertragen und damit ambitionierte Klimaschutzziele in verdichteten urbanen Räumen zu erreichen.

Hauptziele des Projektes

  1. die Untersuchung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für solche Wärmenetze,
  2. die Unterstützung bürgerschaftlicher Initiativen bei der Entwicklung von Wärmenetzen
  3. die Analyse der Übertragbarkeit des Ansatzes auf andere städtische Quartiere.

Projektergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse des Projektes: Von den Bürger*innen selbst getragene kalte Nahwärmenetze, die von oberflächennaher Erdwärme gespeist werden, können eine bestehende Versorgungslücke schließen und einen Beitrag für einen klimafreundlicheren Wärmesektor leisten. Die Technik ist praxistauglich. Entscheidend für den Erfolg sind politische, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen. Mögliche Instrumente für Kommunen sind z.B. Beratungsangebote, die gezielte Ausweisung von geeigneten Stadtquartieren für „kalte“ Nahwärme in der Wärmeplanung, die Bündelung von Zuständigkeiten in der Verwaltung sowie die Kooperation mit kommunalen Gesellschaften bei der Entwicklung von Wärmeprojekten.

Befragung zeigt Offenheit für bürgerschaftliches Engagement

Ein weiteres Projektelement war eine Befragung von 3000 zufällig ausgewählten Haushalten aus den Stadtteilen Findorff und Östliche Vorstadt sowie 1500 bei ErdwärmeDich registrierten Aktive und Interessierten, von denen 849 Personen (Rücklaufquote = 18,5%) geantwortet haben. Diese Befragung wurde von einer gruppe von Studierenden des Master-studiengangs „Interdisziplinäres Nachhaltigkeitsmanagement“ der Hochschule Bremen durchgeführt und ausgewertet.

Die Daten zeigen, dass es in der Stadtgesellschaft eine Offenheit gegenüber bürgerschaftlich getragenen Anergienetzen gibt, während das Wissen darüber noch deutlich ausbaufähig ist. Eine klare Kommunikation und Beratungsangebote sind darum für den Erfolg entscheidend.

Wärmenetzbetreiber konkurrieren um Versorgungsgebiete

Das Projekt hat in seiner Arbeit auch die Bremer Wärmepolitik betrachtet, die die Rahmenbedingungen für die kalte Nahwärme formuliert und die gleichzeitig ein zentrales Element der Bremer Klimaschutzpolitik darstellt. Wichtige Befunde zu diesem Themenfeld sind: Zunehmend kommt es zwischen Wärmenetzbetreibern zur Konkurrenz um attraktive Versorgungsgebiete. Die Stadt muss ein Verfahren entwickeln, um übergeordnete Aspekte durchzusetzen und die Projekte koordinieren zu können.

Zudem wird deutlich, dass auch in Wärmenetzgebieten nicht alle Häuser angeschlossen werden. Hier benötigen die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer schnell Klarheit und Beratung über mögliche Alternativen. Eine große klima- wie sozialpolitische Herausforderung stellen Häuser mit einem niedrigen Sanierungsstandard dar – sogenannte „Worst-Performing-Buildings“.  Über die Anzahl, Verteilung, Eigentümer- und Bewohnerstruktur gibt es nur wenig Daten. Zudem fehlen gezielte Handlungsansätze.

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren (Juni 2024 bis Juli 2026) von der Hochschule Bremen und der Klimaschutzagentur energiekonsens durchgeführt. Projektleiter ist Prof. Dr. Winfried Osthorst. Ansprechpartner*innen sind Christian Rinner für die Hochschule Bremen, Martin Grocholl, Henrik Unrath und Frida Kopka für energiekonsens.

Veröffentlichungen chevron-down
  • Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): (Kalte) Nahwärme in der Wärmewende – Analyse technischer Konzepte, Betreibermodelle und Kostenstrukturen anhand von Praxisbeispielen. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 19, Hochschule Bremen, Bremen. - No. 19 → glokal-paper-19.pdf

  • Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): Bürgerschaftliche Nahwärme und die Bremer Wärmepolitik. Analyse der Rahmenbedingungen der Wärmewende und Handlungsempfehlungen für die Förderung bürgerschaftlicher Energie-Projekte. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 21, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6056 - No. 21 → glokal-paper-21.pdf

  • Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2025): Instrumente für die Förderung bürgerschaftlicher Nahwärme im urbanen Bestand. Ein Screening des Forschungsstandes zur Governance der Wärmewende. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik - No 22, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/4899 - No. 22 → glokal-paper-22.pdf

  • Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2025): Instrumente für die Förderung bürgerschaftlicher Nahwärme im urbanen Bestand. Ein Screening des Forschungsstandes zur Governance der Wärmewende. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 22, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/4899 

  • Bohemann, Astrid; Lukanz, Pia; Osthorst, Winfried; Rinner, Christian; Schaefer, Laura; Stanko, Malena (2026): Einstellung von (Bremer) Bürger*innen zu erneuerbarer Wärmeversorgung, Anergienetzen und Wärmeverbrauchergenossenschaft. Ergebnisse einer quantitativen Befragung. Arbeitspapier zu den Arbeitspaketen 3 und 4 des Forschungsprojektes „Urbane Anergienetze als Instrument der Wärmewende in Bremen" (Hochschule Bremen und energiekonsens GmbH), gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 23, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6155

  • Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): Zum Status der Bremer Wärmepolitik - zentrale Befunde und Handlungserfordernisse. Eine Stellungnahme zur Bremer Klimapolitik im Bereich Gebäude & Wärmeversorgung nach der Veröffentlichung der kommunalen Wärmeplanung. GLOKAL Arbeitspapiere zur Nachhaltigkeitspolitik, Nr. 24, Hochschule Bremen, Bremen. DOI: https://doi.org/10.26092/elib/6157

  • Osthorst, Winfried; Rinner, Christian (2026): Instrumente für die „Graue Zone“: die Entwicklung erneuerbarer Nahwärme im urbanen Bestand lokal fördern. Ein Screening des Forschungsstandes zur Governance der Wärmewende. In J. Knies, T. Schwarz & Y. E. Gerling (Hrsg.),Tagungsband zur 3. Konferenz der Norddeutschen Wärmeforschung (78-82). https://doi.org/10.26092/elib/5016

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Ansprechpartner*in
Frida Kopka

Leitung Klima Bau Zentrum Bremen

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0421 / 37 66 71-39
E-Mail
kopkaenergiekonsens.de