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CO2-Preis als Treiber: Wie reagieren Bremer Unternehmen strategisch auf weitere Erhöhungen?

LUNEDELTA, Blick Richtung Bremerhaven

LUNEDELTA, Blick Richtung Bremerhaven; Bildnachweis: BIS / urbanegestalt PartGmbB

Unternehmen, die 2026 ihre Energiekosten kalkulieren, sind nicht selten überrascht: Ein wachsender Anteil der Ausgaben entfiel nicht mehr allein auf Treibstoff oder Strom – sondern auf den CO2-Preis. Was lange als politisches Instrument auf Bundesebene diskutiert wurde, ist damit endgültig im betrieblichen Alltag angekommen und wirkt tief in betriebliche Kostenstrukturen, Investitionsentscheidungen und Wettbewerbsstrategien hinein. Damit entwickelt sich der steigende CO2-Preis zunehmend zu einem entscheidenden wirtschaftlichen Faktor für Unternehmen in Bremen und der Region. Für die Betriebe im Land stellt sich nun die Frage: Wie integrieren wir die wachsende Regulierung durch EU-ETS und nationale Systeme in unsere Unternehmensstrategie?

Belastung oder sinnvolles Lenkungsinstrument?

Seit der Einführung der CO2-Bepreisung im nationalen und europäischen Emissionshandel hat sie eine steile Preiskurve eingelegt. 2022 und 2023 lag der CO2-Preis jeweils bei 30 Euro pro Tonne. Im Jahr 2024 lag er bereits bei 45 Euro pro Tonne, im Jahr 2025 bei 55 Euro pro Tonne. Aktuell bewegt er sich zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Auch 2027 soll sich der CO2-Preis in dieser Spanne bewegen – und eine Absenkung steht außerfrage. Mit den schrittweisen Preissteigerungen erhöht sich damit auch der wirtschaftliche Druck, Emissionen zu reduzieren und Prozesse klimafreundlicher zu gestalten.

„Für viele Betriebe ist der CO2-Preis längst kein abstraktes politisches Instrument mehr, sondern ein ganz konkreter Kostenfaktor“, erklärt Bernd Langer von der Klimaschutzagentur energiekonsens. „Unternehmen, die frühzeitig in Energieeffizienz und erneuerbare Energien investieren, können diese Kosten nicht nur abfedern, sondern sich auch strategische Vorteile sichern. Und wer sich frühzeitig mit CO2-Kosten auseinandersetzt, schafft es sogar gezielt Wettbewerbsvorteile aufbauen – etwa durch effizientere Prozesse, innovationsgetriebene Investitionen oder glaubwürdige Nachhaltigkeitspositionierung.“

Vom Klimainstrument zum Kostenfaktor

Am Ende geht es nicht nur um Klimapolitik, sondern um unternehmerische Steuerung. Der CO2-Preis entwickelt sich zunehmend zu einer Art „zweiter Kostenrechnung“ neben klassischen Faktoren wie Energie oder Personal. Wer ihn versteht und aktiv nutzt, trifft robustere Entscheidungen. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie die Lebensmittelverarbeitung, die Metallindustrie oder die Logistik – zu denen in Bremen die wichtigsten Arbeitgeber gehören. Hier schlagen steigende Energiepreise und CO2-Kosten unmittelbar auf die Margen durch. Gleichzeitig wächst der Druck entlang der Lieferketten: Große Auftraggeber verlangen zunehmend Nachweise über klimafreundliche Produktion, was den Transformationsdruck zusätzlich erhöht.

CO2-Preis als Innovationsmotor nutzen

Für die Unternehmen ergeben sich aus den Vorgaben nicht nur Pflichten. „Wir wünschen uns, dass der CO2-Preis von den Unternehmen nicht als Belastung gesehen, sondern als Innovationsmotor eingesetzt wird,“ erklärt Langer. „Viele Unternehmen nutzen die Situation, um ihre Prozesse zu modernisieren – sei es durch effizientere Maschinen, den Umstieg auf alternative Antriebe oder die Nutzung von Abwärme.“

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen stellt die Umstellung jedoch eine Herausforderung dar. Investitionen in neue Technologien sind oft mit hohen Anfangskosten verbunden, während sich Einsparungen erst mittel- bis langfristig bemerkbar machen. Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene spielen daher eine wichtige Rolle, um die Transformation wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.

Beratungsangebote unterstützen den Bremer Mittelstand bei der Herausforderung

In Bremen unterstützt ein stabiles Beratungsangebot die Betriebe. Institutionen wie die Handelskammer Bremen und die Klimaschutzagentur energiekonsens helfen Unternehmen dabei, Einsparpotenziale zu identifizieren und individuelle Klimastrategien zu entwickeln. „Unser Ziel ist es, Betriebe praxisnah zu begleiten“, betont Bernd Langer von energiekonsens. „Und das sogar über die Beratung hinaus bis zur Umsetzung. Damit die Umsetzung nicht an mangelnden Ressourcen hängenbleibt, bleiben wir dran. Oft erzielt man bereits durch vergleichsweise einfache Maßnahmen deutliche Effizienzgewinne.“

Langfristig könnte sich der CO2-Preis als entscheidender Standortfaktor erweisen. Unternehmen, die ihre Emissionen frühzeitig senken, sind nicht nur weniger anfällig für steigende Kosten, sondern positionieren sich auch besser im Wettbewerb – insbesondere in Märkten, in denen Nachhaltigkeit zunehmend zum Kaufkriterium wird.

Veranstaltungstipp: Carbon Pricing Forum Bremen

11. Juni 2026, 15:30 – 20:00 Uhr, FLY DECK, Teerhof 59, 28199 Bremen

Das Unternehmensforum der Klimaschutzagentur energiekonsens erörtert mit Expert*innen von Prognos AG, Ernst und Young und regionalen Betrieben die Verbindung von Emissionshandel und Unternehmensstrategie. Der interne CO2-Preis wird explizit als Management-Tool aufgegriffen und Theorie in die unternehmerische Praxis übersetzt. Teilnahme kostenfrei. Anmeldung online erforderlich.