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Contracting als alternative Finanzierungmöglichkeit für Klimaschutzmaßnahmen in Unternehmen

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Der gute Wille ist da, auch die Notwendigkeit wird hoch eingeschätzt – und doch scheuen sich viele Unternehmen vor der Umsetzung von großen Klimaschutzmaßnahmen. Der Grund? Zu hohe Investitionskosten scheinen zunächst wenig wirtschaftlich und sind für kleine Betriebe manchmal nicht zu finanzieren. Außerdem fehlen vielleicht die personellen Kapazitäten oder schlicht das technische Know-How. Eine Lösung für dieses Problem könnte das Prinzip „Contracting“ liefern. Dabei werden die Bereitstellung und der Betrieb von energetischen Anlagen an einen externen Dienstleister abgegeben, der dafür von der Abrechnung gelieferter Energie (Energieliefer-Contracting) oder der eingesparten Energiemenge (Energiespar-Contracting) profitiert.

Beim 7. Netzwerktreffen des Energieeffizienztischs „Zero“ der Klimaschutzagentur energiekonsens lernten die teilnehmenden kommunalen Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten des Contractings kennen. Claudia Alt-Harnack von der Berliner Energieagentur (BEA) stellte die Modelle vor und diskutierte Vor- und Nachteile in der offenen Runde. Eiko Altmann von der ENGIE Deutschland GmbH gab anschließend seine Beurteilung von Einspar- und Liefer-Contracting aus Sicht eines praktizierenden Contractors preis und stellte beispielhaft einige Best-Practice-Berichte aus ganz Deutschland vor, die er selbst betreut hat.

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Vor ausnahmsweise leeren Publikumsreihen lernten die Teilnehmenden des Energieeffizienztischs Zero bei ihrem 7. Workshop verschiedene Contracting-Modelle kennen.

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Eiko Altmann, ENGIE Deutschland GmbH stellte einige von ihm betreute Best Practice-Beispiele bundesweit vor.

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Beim anschließenden Rundgang durch die Energieanlagen der Bremer Glocke durften die Teilnehmenden bis unter den Dachstuhl kraxeln, um Lüftungsanlage und Wärmedämmschicht zu begutachten.

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Auch im Land Bremen gibt es bereits Betriebe, die erfolgreiche Contracting-Projekte umgesetzt haben. Die Bremer Bäder haben bereits 2009 mit ihrem Projekt begonnen und seitdem glatte 30% Energie eingespart. Im Bremerhavener Klinikum Reinkenheide wurden die Erwartungen sogar übertroffen: Statt der vom Contractor garantierten 25% lag die tatsächliche Einsparung bei 36% und damit über 5.000 Tonnen CO2-Minderung. Fehlende finanzielle Möglichkeiten hätten die Umsetzung deutlich verzögert und vermutlich zu deutlich weniger Energiekosten- und CO2-Einsparungen geführt.

„Das Schöne am Contracting ist, dass es direkt losgehen kann.“ sagt Claudia Alt-Harnack. „Die Alternative ist meistens erstmal Abwarten und Nichts-Tun. Mit dem Contracting kommt man ins Machen weil da noch jemand anders ist, der die Dinge aktiv vorantreibt.“

Bisher liegt der größte Anteil des Energie-Contracting in der Wohnungswirtschaft. Gewerbliche und industrielle Projekte machen gemeinsam nur 10% aus, das ermittelte vedec (Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting e.V.) im Jahr 2024. Der Markt ist also im Wachstum, bietet aber insbesondere mit dem Einsatz erneuerbarer Energien interessante Möglichkeiten für Unternehmen. „Eine gute Beratung ist auch hier essentiell für den Erfolg des Projekts. Auch der Contractor arbeitet ja wirtschaftlich und hat Eigeninteressen. Darum ist eine enge technische Begleitung und genaue Vertragsabsprachen unabdingbar. Die dena [Deutsche Energie-Agentur] stellt dafür viel Infomaterial und auch ausführliche Vertragsvorlagen bereit.“ empfiehlt Alt-Harnack.

Unternehmen in Bremen und Bremerhaven, die sich für das Thema Contracting interessieren, können sich für die Beratung an energiekonsens wenden. Ansprechpartner hierfür ist Bernd Langer unter 0421 / 37 66 71-31.

Quick Check: Sind Ihre Gebäude für das Energiespar-Contracting geeignet?

➢ Vorhandenes Einsparpotenzial Energiekosten (einschließlich PV) oder Modernisierung- oder Sanierungsbedarf, der nicht durch eigene Ressourcen (personell, finanziell) umsetzbar ist

➢ Energiekosten der sanierungsbedürftigen Gebäude > 150.000 Euro/Jahr

➢ Liegenschaften sind Eigentum des Auftraggebers

➢ Keine größeren, verbrauchsrelevanten Umbaumaßnahmen an den Gebäuden im letzten Jahr bzw. verbrauchsrelevante Umbaumaßnahmen sind aktuell nicht beauftragt oder geplant (oder: abgrenzbar)

➢ Nutzungsbedingungen in den Gebäuden sind in den nächsten Jahren gleichbleibend oder unterliegen nur Änderungen, die den Energieverbrauch nur marginal beeinflussen oder gut abgrenzbar sind