Personen sprechen vor historischer Straßenbahn
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Angebote und Technik für klimaschonende Mobilität sind bereits da. Sie müssen nur mehr genutzt werden und lassen sich noch weiter ausbauen – auch im Zusammenschluss von Unternehmen. So lautet die Erkenntnis aus einem Informationsaustausch zum Thema Arbeitswege, zu dem wir im Rahmen unseres Projektes „Kooperation CO₂“ am 14. September eingeladen haben. Als Ort des Zusammentreffens von Akteurinnen und Akteuren aus Wirtschaft, Politik, Forschung und Förderung war ein Verkehrsmittel gewählt worden, das dazu beitragen kann, Berufspendelnde von der Straße zu holen: Per Sonderfahrt ging es mit einer historischen Straßenbahn durch die Stadt.

Dabei erfuhren die Teilnehmenden von Lisa Tschink vom BUND Bremen: Die Zahl der Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, steigt stetig. „Während man früher dort lebte, wo der Arbeitsplatz war, gibt es heute immer mehr Pendlerinnen und Pendler, die lange Anfahrtswege haben und deshalb meist allein den eigenen PKW nutzen“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Mobilität und Verkehr. In ihrem Vortag machte sie deutlich, dass es nicht darum gehe, Autos zu verteufeln. Für einige aus dem Umland und einzelne Berufsgruppen sei es faktisch nicht möglich, auf dieses Fortbewegungsmittel zu verzichten. Und doch gebe es auch für sie Alternativen, die es bekannter zu machen gelte und für deren Nutzung Unternehmen Anreize schaffen könnten. Als Beispiele nannte Lisa Tschink die Organisation von Fahrgemeinschaften, die Installation von E-Ladestationen auf oder vor dem Firmengelände sowie das Angebot von Leasing-Fahrrädern und Jobtickets für günstiges Bahn- und Busfahren. Letztere lassen sich auch von kleineren Betrieben in Anspruch nehmen, wenn sie sich für die geforderte Mindestzahl von 20 Mitarbeitenden zusammentun, betonte die Expertin. Der Umstieg auf ein Elektroauto ist ihrer Meinung nach nur bedingt eine Lösung, der Belastung in Städten durch Verkehr zu begegnen: „Denn so bekommen wir das Blech nicht aus unserem Lebensraum. Der durchschnittliche PKW-Parkplatz nimmt zwölf Quadratmeter – also die Fläche eines Kinderzimmers – ein. Das ist wertvoller öffentlicher Raum, der sich anders, etwa als Ort der Erholung nutzen ließe.“

Lösungen für Mobilität der Zukunft finden

Auch einen Blick in die Zukunft warf Lisa Tschink und plädierte für eine Digitalisierung rund um die Mobilität. „Wenn wir weniger Autos wollen, muss es einfacher und bequemer werden, ohne PKW von A nach B zu kommen. Wer das heute plant, ruft dafür unweigerlich mehrere Apps auf. Ziel sollte sein, alle Verkehrsanbieter – von Carsharing über Bus- und Bahnverkehr bis hin zu Leihrädern – in nur einer zu bündeln.“ Das autonome Fahren mit mehreren Passagieren sieht sie ebenfalls als Chance, das Verkehrsaufkommen sowie den CO₂-Ausstoß samt Umweltbelastungen zu verringern. Zu diesem Thema, so berichtete eine Teilnehmerin, entstehe derzeit eine Masterarbeit an der Hochschule Bremen, die ab Ende September einsehbar sei.

Ein Austausch der an der Veranstaltung Teilnehmenden über Erfahrungen zeigte überdies: Mit welchem Verkehrsmittel Beschäftigte zur Arbeit kommen, ist nicht nur abhängig von der Erreichbarkeit ihres Arbeitsplatzes, sondern auch von den Möglichkeiten, die ihnen ihr Betrieb bietet. „Über den BUND Bremen konnten Firmen E-Bikes für ihre Mitarbeitenden testen. Die Resonanz war durchweg positiv – die meisten investierten daraufhin in Pedelecs“, erklärte Lisa Tschink. Wie man bei solchen Anschaffungen und Umstellungen für nachhaltige Mobilität kooperieren kann – etwa indem sich Firmen mit ähnlichen Arbeitszeiten für Mitfahrgelegenheiten zusammenschließen – auch das wurde diskutiert. „Wir wollen Unternehmen für das Thema sensibilisieren und ins Gespräch bringen. Gemeinsam lassen sich Lösungen finden, die praktikabel sind“, so unsere Projektmanagerin Stella Reulecke.

Mit der „energievisite:mobilität+“ bieten wir eine kostenlose Beratung für Bremer Betriebe an. Bei diesem Angebot wird geprüft, welche Optionen es für klimafreundliche Arbeitswege und Dienstfahrten bei ihnen gibt und ob dafür Kooperationen mit umliegenden Firmen möglich sind. Daraus entstanden bereits erste Verbünde: Aktuell planen Umweltbetrieb Bremen und Immobilien Bremen, ihre benachbarten Fuhrparks zusammenzulegen, um daraus einen gemeinsamen Pool mit möglichst vielen E-Fahrzeugen zu machen.


Über das Projekt

"Kooperation CO₂“ ist Teil des Projekts "Bremer Unternehmen sparen CO₂", gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), Investition in Bremens Zukunft sowie aus Mitteln der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Projektträger ist energiekonsens, die gemeinnützige Klimaschutzagentur für Bremen und Bremerhaven. Kooperationspartner sind die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS).

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